230 Kilometer voller Leidenschaft, Erfolg und Misserfolg

Armin Zwinz - © Rphael Trautwein

230 km - 10.000 Höhenmeter - 3 Tage! Taucht ein mit uns in die "Mission Running SalzAlpenSteig"! Vier wagemutige Trailrunning AthletInnen haben sich einer ganz speziellen Challenge gestellt: In drei Tagen vom Chiemsee (D) bis nach Hallstatt (AUT) über den Salzalpensteig zu laufen. Hinter den AthletInnen liegt ein unvergessliches Abenteuer. Armin Zwinz, Initiator und einer der vier Läufer, erzählt euch in unserem J-Athletes Blog von diesem prägenden Erlebnis. 

27.Mai, 3:30 morgens: Ich habe nicht besonders gut geschlafen. In wenigen Minuten startet ein Projekt auf das sich David, Steffi, Gregor und ich Monate vorbereitet haben. Es regnet und ist kalt, aber unsere Motivation leidet darunter in keinster Weise. Voller Energie und Tatendrang legen wir kurz nach 4 Uhr morgens in Prien am Chiemsee los.
Running SalzAlpenSteig - © Raphael Trautwein

In den ersten Stunden geht es trotz widriger Bedingungen gut voran und wir treffen bei Schneefall nach 6h und 42 km am höchsten Punkt des ersten Tages dem 1600m hohen Hochfelln ein. Aussicht Fehlanzeige, somit sofort weiter runter ins Tal, wo das Mittagessen wartet. Unser Supporterteam sorgt dafür, dass es uns an nichts fehlt und begleitet uns entlang unserer Route.

„Die Freude an den kleinen Dingen ist bei einem Ultra-Trailrun enorm wichtig!“

Nach einer wärmenden Nudelsuppe geht es  gleich wieder weiter. Unser Tagesziel: Bad Reichenhall. Mehr als 20km und 500 weitere Höhenmeter trennen uns noch davon. Nach insgesamt fast 13 Stunden ist es tatsächlich geschafft. Dieser erste Tag hat uns spürbar einiges abverlangt. Mehr als ich es mir erwartet hatte. Während unserem Abendessen dann die Belohnung: Die Abendsonne lässt sich blicken und strahlt uns ins Gesicht. Es sind die kleinen Dingen, an denen man sich bei einem Ultra-Trailrun erfreuen muss. Das sind auch die Momente, die unheimlich viel Kraft geben.

Am zweiten Tag geht es "erst" um 5:30 los. Die Knochen sind schon schwer, aber die Motivation noch hoch. Als wir dann Richtung Berchtesgadener Land hinunterlaufen, liegt der frisch angeschneite Watzmann im Sonneaufgang direkt vor uns. Da haben wir unseren ersten Wow Moment. Was für ein unglaublicher Ausblick.

Running SalzAlpenSteig - © Raphael Trautwein

Mit dem Sonnenschein steigt auch die Freude am Laufen. Die Stimmung im Team ist gut. Höhepunkt des Tages: Der Grenzübertritt nach Österreich. Mit 135km zurückgelegten Kilometern haben wir nun auch schon bereits mehr als die Hälfte des Weges hinter uns. Wir sollten bis zum Abend 160km geschafft haben. Ich bin überwältigt, wie gut wir voran kommen. Im Durchschnitt 5,5 Minuten pro Kilometer kann sich sehen lassen. Dennoch alle sind mittlerweile physisch stark angeschlagen. Mit der leisen Hoffnung, dass die Nacht die nötige Regeneration bringen wird, geht es nach einem kurzen Abendessen ins Bett. 

Tag 3 startete um 4:30. Die Euphorie ist über Nacht verpufft und aus kleinen Wehwehchen sind echte Schmerzen entstanden. Die Tage davor haben wir uns immer gut gepushed, aber heute gibt es einfach kein gegenseitiges Unterstützen mehr. Das würde viel zu viel Kraft kosten, die niemand mehr hat. Jeder ist auf sich allein gestellt und muss alle Kraft für die letzten 70km aufbringen.

Running SalzAlpenSteig - © Raphael Trautwein

David und ich haben besonders starke Schmerzen. Wir plagen uns mit Schwellungen und Entzündungen. Am ersten Checkpoint entscheiden wir uns die beiden anderen alleine weiter laufen zu lassen und wollen versuchen später wieder aufzuschließen.

„Sich selber einzugestehen, dass man aufgeben muss, ist das Schlimmste!“

Ich habe einen kompletten mentalen Einbruch. Ich weine, sehe keine Chance mehr weiter zu machen. Irgendwie raffe ich mich wieder auf und entschließe mich alleine weiter zu laufen. Alleine am Berg laufe ich wie ferngesteuert herum, verlaufe mich und werde immer unsicherer. Ich komme zum Schluss aufhören zu müssen. Sich selber eingestehen zu müssen, dass man Aufgeben muss, ist das Schlimmste. Nach 189 km ist mein Lauf zu Ende. Dennoch David und ich wollen gemeinsam mit den anderen unser Projekt abschließen. Unsere Supporter bringen mich und David zu Steffi und Gregor und schlussendlich meistern wir die letzten 10km unseres Laufes gemeinsam. Als wir am direkt über Hallstat liegenden Salzberg ankommen, können wir bereits jede Menge Leute am Marktplatz hören, die uns erwarten. Noch 2km bergab, dann sind wir am Ziel. Der gemeinsame Zieleinlauf ist unbeschreiblich. Auf einmal hat keiner mehr Schmerzen. Wir sind alle beflügelt von den Menschen am Hauptplatz, die uns zujubeln. Mit bengalischem Feuer, Jubelschreie, Livemusik und tobendem Applaus werden wir die letzten Meter begleitet. Unfassbare Emotionen brechen über uns alle herein. 230 Kilometer voller Leidenschaft, Erfolg und Misserfolg liegen hinter uns.

„Dieses Erlebnis war unvergesslich - ich würde es wieder tun!

Auch wenn ich die 230 km nicht geschafft habe, haben wir als Team das Projekt absolviert. Meinen Entschluss aufzuhören, um keine schweren Verletzungen zu bekommen, sehe ich als persönliche Reife und somit als Erfolg. Durch das Projekt haben wir einen riesigen Motivationsschub bekommen und fragen uns jetzt schon, was wir noch alles schaffen können. Wir sind bereit für unser nächstes Abenteuer. Bleibt uns auf den Fersen und besucht mich gerne auf meinem persönlichen Blog: alpinbock.com

Running SalzAlpenSteig - © Raphael Trautwein


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