Die Leidenschaft für ultralange Strecken

HAUSDORFER

Bis zu 5.000 Kilometer quer durch die Vereinigten Staaten, und das auf zwei Rädern – was für viele nach einer undenkbar langen und anstrengenden Strecke klingt, ist für Christoph Strasser der Ort einiger seiner größten sportlichen Erfolge. Beim „Race Across America“ (RAAM) hat der obersteirische Extremsportler und J-Athlete bereits sechs Mal gewonnen und er hält bis heute den Streckenrekord. Der Erfolg kam aber nicht von einem Tag auf den anderen.

Der Beginn einer Leidenschaft

 Lange hatte Christoph kaum Kontakt zum Radsport. Erst am Ende seiner Schulzeit im Sommer 2002 erfuhr er von einem 24 Stunden Radrennen in der Obersteiermark. Der damalige Plan: Christoph wollte gemeinsam mit Freunden in einer Viererstaffel antreten, aber kurz vor dem Start sagten seine Kollegen krankheitsbedingt ab. Das Startgeld war aber schon überwiesen, deswegen versuchte es der damals 20-Jährige alleine. Noch in Laufschuhen, einem T-Shirt und mit wenig Trainingserfahrung schnitt Christoph zwar nicht sonderlich gut ab, war aber gleich von Langstrecken und Ultra-Marathons auf dem Rad begeistert.

Im Jahr darauf, bei der zweiten Teilnahme am 24 Stunden-Rennen, stand Christoph neben seinem großen Idol und 3-fachen RAAM Sieger Wolfgang Fasching an der Startlinie. Durch ihn kam er schließlich auf die Idee, irgendwann beim „Race Across America“ mitzufahren. Das Training wurde danach intensiver und immer mehr Rennen standen auf dem Kalender des Steirers.

Rückschläge als Motivation

Was folgte waren einige sportliche Erfolge, zum Beispiel ein Weltmeistertitel im Jahr 2007. Bei der Ultra Radmarathon Weltmeisterschaft, dem „Glocknerman“, konnte Christoph damals sogar einen neuen Streckenrekord aufstellen und wurde der jüngste Weltmeister in der Geschichte des Rennens.
Der Weg zu einem Sieg in den USA schien also geebnet. So nahm Christoph 2009 zum ersten Mal am RAAM teil. Mit seinem Team war er zwar mit voller Motivation vor Ort, hatte aber noch keine Erfahrung mit der Strecke. Etwa nach der Hälfte der rund 5.000 Kilometer musste Christoph dann wegen eines Lungenödems aus dem Wettkampf aussteigen. Ein starker Rückschlag, aber: 

„Es ist auch eine gute Lebensschule, wenn man seine Ziele nicht immer beim ersten Mal erreicht.“

Aufgrund der vielen Podiumsplatzierungen bei 24-Stunden und Ultra-Radrennen bis 1200 Kilometer, hat Christoph damals sogar auf eine Platzierung unter den ersten Drei gehofft. Dass er aus dem Rennen ausschied, kam für ihm überraschend, brachte ihn aber dazu, intensiver über seine Fehler nachzudenken und sich noch besser auf anstehende Rennen vorzubereiten.

„Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir das Scheitern beim ersten RAAM langfristig mehr gebracht hat, als wäre alles ohne Probleme abgelaufen.“
© Hausdorfer

Schnellste Zeit von West- nach Ostküste

 Das Thema RAAM war für Christoph nach seiner ersten Teilnahme noch lange nicht erledigt. Schon zwei Jahre später stand er wieder an der Startlinie, diesmal besser auf die Strapazen des ultralangen Rennens vorbereitet. Nach 8 Tagen, 8 Stunden und 6 Minuten überquerte er damals als erster die Ziellinie und wurde zum jüngsten Sieger des Rennens gekürt.

Nach dem großen Erfolg in den USA war für Christoph klar, den bisher eher als Hobby betriebenen Sport zum Beruf zu machen. So brachte er noch mehr Zeit fürs Training auf und nahm auch in den Folgejahren an zahlreichen Rennen teil.  Im Jahr 2013 gelang Christoph dann die Sensation: Mit einer Fahrzeit von 7 Tagen, 22 Stunden und 11 Minuten schaffte er es als erster Athlet in der Geschichte des RAAM, die USA in weniger als acht Tagen zu durchqueren. Eine Leistung, die er im Folgejahr sogar noch einmal um mehr als sechs Stunden unterbieten konnte.

Neue Ziele durch Pandemie

In den Jahren darauf konnte Christoph noch drei Mal in den USA siegen. 2020 wurden aber auch die Pläne des Extremsportlers durch die weltweite COVID-19-Situation auf die Probe gestellt. Eine Reise in die USA war vom Tisch. Neue Ziele mussten her.
Christoph wollte daher einen anderen Rekord brechen und als erster Mensch1.000 Kilometer in 24 Stunden fahren. Die Pandemie machte aber vorerst auch diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Erst im Jahr darauf schaffte es der sechsfache RAAM-Gewinner in Zeltweg, den damaligen 24h-Road Rekord von 914 Kilometern zu überbieten. Mit 1.026 Kilometern in 24 Stunden und durchschnittlich 42,75km/h hat sich Christoph damit einen langjährigen Lebenstraum erfüllt.

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Rückhalt von eingespieltem Team

All die sportlichen Erfolge hat Christoph auch seinem Team zu verdanken. 33 Prozent der Arbeit erledige er selbst auf dem Rad, für 33 Prozent des Erfolgs sei seine Psyche verantwortlich und die restlichen 34 Prozent seien dem Team zuzuschreiben, erklärt er.

„Auch wenn ich bei den Wettkämpfen alleine auf dem Rad sitze, ist es kein Einzelsport.“


Vor allem bei den ultralangen Strecken seien die Informationen des Trainers, das Instandhalten des Rades durch Techniker oder die medizinische Versorgung durch den Teamarzt wichtig. Christoph selbst könne wegen der großen Erschöpfung oft kaum abschätzen, ob er nach einer langen Etappe körperlich noch dazu in der Lage ist, weiterzufahren.

„Der Arzt bzw. der Teamchef müssen während des Rennens entscheiden, ob ich nur an erwartbaren und harmlosen Problemen leide, oder ob es gesundheitlich problematisch wird wenn ich weiterfahre. Ich selbst kann während eines RAAM ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr alleine entscheiden, da der Kopf nicht mehr klar genug dafür ist.“

Seit Beginn seiner sportlichen Karriere vertraut der Obersteirer daher auf ein eingespieltes Team, das ihn schon länger begleitet.

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Tipps für Anfänger

Allen am Radsport Interessierten empfiehlt Christoph, sich einfach einmal aufs Rad zu setzen und in die Pedale zu treten. Vor allem am Anfang könne man dabei nicht viel falsch machen. Wichtig sei es, einmal ein Gefühl für das Rad zu bekommen und zu merken, ob man den Sport weiter verfolgen will. Wenn man Spaß am Radfahren hat, sollte man aber auch nicht gleich übertreiben.

Auch auf einem billigen Rad könne man gute erste Erfahrungen sammeln. In teurere Ausrüstung zu investieren, mache laut dem Extremsportler erst dann Sinn, wenn man den Sport tatsächlich auch langfristig intensiver betreiben möchte. Besonderes Augenmerk müsse dann vor allem auf drei Bereiche gelegt werden - den Sattel, die Schuhe und die Lenkstange. Also alle Punkte, an denen der Körper mit dem Rad verbunden ist.

Stylischer Schutz für die Augen

Auch für das passende Outfit gibt Christoph Tipps. Wichtig dabei sei vor allem eine passende Brille. Neben einem stylischen Aussehen biete diese auch Schutz für die Augen. Christoph vergleicht sie daher sogar mit dem Tragen eines Helms.
„Man trägt nur so lange keinen Helm, bis man einmal auf den Kopf fällt.“

Ähnlich sei es bei dem Schutz der Augen. Schmutz, Wind und Insekten können im Radsport schnell zum Problem werden. Eine geeignete Brille, etwa von J-Athletics, biete dagegen einen guten Schutz. Außerdem sei eine Brille wichtig, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch gut zu sehen.

© Christoph Strasser

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